Buecher von Bernd Langer
Operation1653 - Stay Rude Stay Rebel
zorrito - 2008-04-22 21:19

"Operation 1653" erzählt eine authentische Geschichte. Angewiesen durch Briefe einer ominösen "Organisation", mittels Führungsoffizieren und Dossiers, wird Bernd Langer auf eine Reise mit unbekanntem Ziel geschickt: von Göttingen über Hamburg nach Amsterdam und Köln, den Rhein entlang, wo er sich einige Tage in einem Nonnenkloster aufhält, um schließlich in New York zu landen. Während dessen sind rätselhafte Aufgaben zu lösen.
Die Reise führt den Autor in eine Auseinandersetzung mit seiner eigenen Geschichte, die eng mit der autonomen Bewegung verbunden ist. Es entsteht die persönliche Schilderung eines Menschen, der ab Ende der siebziger Jahre an Brennpunkten der politischen Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht in der BRD beteiligt ist. Auf unterhaltsame Weise wird nachvollziehbar, wie man zum Autonomen wird und welche Werte und politischen Vorstellungen dabei wichtig sind und wie die autonome antifaschistische Bewegung entsteht und sich organisiert. Hell lodern die Flammen der Straßenschlachten, Anschläge und illegalen Aktionen. Auch die Unerbittlichkeit des Kampfes wird gezeigt, die Toten und die Verfolgung durch die Polizei und Justiz beschrieben. Interessant wird die Schilderung, weil sie auch von den Zweifeln auf diesem Weg spricht und das Scheitern vieler Vorstellungen vor Augen führt.
Der krimiähnliche Reiseverlauf bildet den Leitfaden der tiefgreifenden, amüsanten und zuweilen bizarr geschilderten Erinnerungen.
Rezension
Bernd Langer hat mit der "Operation 1653" ein authentisches Buch über seine Autonomen-Zeit in Göttingen und Berlin - als Kreuzberg 36 noch im Mauersack lag - und anderen Städten geschrieben, das schon beim Anlesen durch eine romanhafte Haupthandlung packt.
Maschinengeschriebene Briefe einer obskuren "Die Organisation" finden ihren Weg in seinen Briefkasten und lösen eine ebenso spannende wie geheimnisumwitterte Odyssee des Autors aus, wie man sie üblicherweise aus Thrillern kennt. In die einzelnen Stationen eingebettet schildert er Erinnerungen an die Aktionen der Autonomen gegen Gorleben, an die Bemühungen, Netzwerke mit anderen Gruppen aufzubauen, an Erlebnisse auf handfesten Demonstrationen in Berlin-Kreuzberg, sowie an andere Schlaglichter aus der Bewegung.
Aber nicht nur unterhaltsam ist dieses Buch. Freuen wird sich jeder, der etwas mehr über die Hintergründe und Aktivitäten der Autonomen Szene in den 80er Jahren aus Sicht eines ehemaligen Aktiven erfahren möchte.
Bernd Langer hält mit seiner Meinung nicht hinter den Berg und beleuchtet die Spannungen innerhalb der Autonomen Szene ebenso wie zwischen ihr und anderen Gruppierungen. Dennoch verliert der Autor sich nicht in politischen Tiraden oder gar persönlichen Abrechnungen. Der Stil ist angenehm sachlich gehalten.
Wer aus erster Hand einen Eindruck von der Autonomen Szene der damaligen Zeit bekommen möchte, dem wird sich dieses Buch als Fundgrube erweisen.
(Quelle: www.uhusnest.de/rezis/o1653.htm)